Sind Goldfische schlauer als Menschen?

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass wir in der heutigen Zeit an echt viel denken müssen, und ständig Reizen ausgesetzt sind, die unser Hirn beanspruchen? Wir schauen fern, lesen am Smartphone die neuesten Nachrichten und nutzen gleichzeitig den Laptop um eine wichtige Last-Minute Bestellung für den Geburtstag der Schwiegermutter abzuschicken. Multitasking nennt sich das – haben Sie sicher schon mal gehört.

Die Aufmerksamkeitsspanne und der Goldfisch – kurz erklärt

Diese Umstände könnten laut einer Studie von Microsoft Kanada der Grund dafür sein, dass die Aufmerksamkeitsspanne eines Menschen immer weiter sinkt. Im Jahr 2000 schenkten wir einem Task für durchschnittlich 12 Sekunden unsere Aufmerksamkeit. Im Jahr 2015 verringerte die Dauer sich auf 8 Sekunden – und somit haben wir, laut Microsoft, eine geringere Aufmerksamkeitsspanne als ein Goldfisch, der sich ganze 9 Sekunden auf etwas konzentrieren kann.

Aber: kann das stimmen?

Ein bisschen dubios ist es schon, dass Microsoft nie eine Definition darüber abgibt, was sie als “Aufmerksamkeitsspanne” bezeichnen. Oder woher die verwendeten Daten kommen – vor Allem beim Goldfisch.

Durchatmen – alles halb so schlimm

Daher kann man grundsätzlich beruhigen: Wir werden nicht immer dümmer und sind den Goldfischen weiterhin ein paar Schritte voraus.

Unser Gehirn hat einfach eine Menge zu tun, und versucht alles aufzusaugen, mit dem es konfrontiert wird. Deswegen sortiert es aus, schenkt Unwichtigem nur wenig Aufmerksamkeit und springt zwischen den Aufgaben hin und her. Denn Multitasking ist nichts anderes, als immer wieder zwischen unterschiedlichen Reizquellen hin und her zu schalten.

Wir haben, dank der vielfältigen Möglichkeiten Medien zu konsumieren, also die Fähigkeit entwickelt, mehr Informationen parallel aufzunehmen und zu verarbeiten.

Zudem gibt es andere Studien, die diese Aussage widerlegen.

So wurde zum Beispiel an der Universität von Illinois herausgefunden, dass Golfische überaus intelligente Tiere sind, die sich noch Jahre später an eine Futterquelle zurückerinnern. Das ändert zwar nichts daran, dass menschliche Aufmerksamkeitsspannen kürzer werden, aber es stellt die Seriosität des Goldfisch-Vergleichs und somit der gesamten Studie in Frage.

Darüber hinaus verweist Microsoft auf einen Artikel von statisticbrain, welche ihre Daten von einer Studie namens Not Quite the Average: An Empirial Study of Web Use hat, in der allerdings nie von einer 8-Sekunden-Aufmerksamkeitsspanne die Rede ist. Kurioserweise wurde die zitierte Studie 2016 veröffentlicht.  Ein Jahr nach der Microsoft Studie. Ob man den Verweis im Nachhinein hinzugefügt hat, oder sich die Quelle verändert hat, weiß nur das Internet-Archiv.

Insgesamt klingt es aber, als wollte uns da jemand einen Goldfisch – ähm sorry, einen Bären aufbinden.

Aber auch, wenn die Studie beinahe so unwissenschaftlich klingt wie unser Blogpost, (denn auch wir haben kaum Quellen angegeben), so ist eine Sache ausgezeichnet gelungen: Zu zeigen, dass Inhalte im Web dann Resonanz finden, wenn sie eine gute Geschichte beinhalten, für die Zielgruppe Relevanz haben und kurz und knackig aufbereitet sind.

Durch ihren Erfolg im Netz stellt die Studie zugleich den besten Beweis dar, dass an der Sache mit den 8 Sekunden Aufmerksamkeitsspanne etwas dran sein könnte.  Auch wenn man es noch in keinem Labor nachgewiesen hat.

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